Wenn der Berg ruft und die Indianer von Weitem kommen.




Dieses Mal, war etwas ganz Besonderes: Florian Faltin, Gründer der Austrian Indian Riders, lud zur Jubiläumsrundfahrt ins Salzburgerland. Das sechste Mal führte er die wilden Indianer an.



Am Dienstag Nachmittag trafen sich alle am Birgkarhaus, in Dienten am Hochkönig. Von überall kamen sie her, Frankreich, Deutschland, Polen, Slowenien, Belgien und auch aus Tschechien. 21 Motorräder und 30 Indianer. Die längste Anreise hatte ein Pole auf seiner HD VLD Bj.1934 hinter sich. Da sein indianischer Hengst nicht wollte, nahm er sein auf Langstrecken erprobtes Cannonball Bike als Pferd. 1200km nonstop auf eigener Achse sind schon eine Ansage!

Am Abend hatten dann alle Zeit, alte Freunde zu begrüßen und neue Bekanntschaften zu machen. Nach der Begrüßung durch den Häuptling und der Streckenvorstellung für den nächsten Tag, begann für den Stammesältesten - eine Power Plus aus dem Jahre 1916 - noch eine Revision des Zündmagneten, welchem die feuchte Anfahrt auf dem Planenwagen nicht gutgetan hatte. Mit geschickten und fachkundigen Händen war das aber schnell erledigt.

Am nächsten Morgen kam die Sonne hervor, es war kalt, versprach aber ein schöner Tag zu werden. Schön früh herrschte reges Treiben am Parkplatz. Die Indians wurden von den Abdeckplanen befreit und letzte Handgriffe wurden erledigt. Pünktlich um 8 Uhr ging es Richtung Saalfelden und über Lofer nach Berchtesgaden zur Roßfeldstrasse. Leider verklemmte sich schon bald ein Scout Kolben auf offener Landstraße und die Maschine wurde vom Begleitfahrzeug aufgeladen. In der Zwischenzeit waren die Indians am malerischen Hintersee im Berchtesgadener-Land vorbeigefahren und hatten die ersten Steigungen und Serpentinen hinter sich. Die Mittagsrast mit anschließender Besichtigung des“ Dokumentationszentrum Obersalzberg“ am Fuße der Roßfeldstraße, war das Richtige um sich für die berühmte deutsche Bergstraße zu stärken. Wenig später schlängelte sich das ganze Fahrerfeld hinauf in den Himmel. Oben angelangt, staunten einige nicht schlecht, welch herrliche Aussicht vor ihnen lag.


Über kleine Nebenstraßen ging es dann wieder den Berg hinab. Der Konvoi der Indians setzte der Salzach flussaufwärts folgend seine Fahrt nach Bischofshofen fort, vorbei an malerischen Orten und der hoch oben trohnenden Burg Werfen. Kurz vor dem Streckenende des ersten Tages, wurden die alten Indianer mit dem Anstieg auf den Dientner Sattel nocheinmal gefordert. Oben am Hotel angelangt stürzten sich einige zur Abkühlung ins kühle Nass des Badeteichs, andere nützten die Gelegenheit ihre Maschinen für den kommenden Tag wieder fit zu machen. Auf einmal hörte man ein Kriegsgetrommel, das die Berge erzittern ließ: Die älteste Indian wurde wieder zum Leben erweckt. Die Power Plus aus dem Jahr 1916 hat die Herausforderung der österreichischen Straßen wieder aufgenommen. Auch kamen noch zwei Indianer aus Tschechien für einen Tag zu uns. Am Abend wurde noch der erste Tag besprochen, viel getratscht und die Strecke für den nächsten Tag kund gemacht. Wieder wurde es recht spät.

Die Morgenstimmung des zweiten Tages, war noch schöner als die des Ersten. Der Wettergott meinte es mit uns allen gut. Nach dem Frühstück ging es zur zweiten Etappe. Bergab schlängelte sich der Tross der Motorräder in das Salzkammergut hinein. Am malerischen Hallstättersee meinte es ein Tankwart nicht gut mit uns und schickte uns trotz durstiger Fahrzeuge von Dannen. Vielleicht mochte er keine Indianer, wir werden es nie erfahren. Da unser Stamm friedlich gesinnt ist, fuhren wir zu einem Parkplatz am See.  Dort hatten alle Zeit gefunden, einen Tagesgast zu begrüßen.

ort fanden alle Zeit, einen neuen Gast zu begrüßen. Er kam vom sagenumwobenen Stamme der Clevelands. Mit den vier Zylindern, 1000ccm und dem Lack in Originalzustand war das Gedrängel um das Motorrad recht groß. Jeder war begeistert von dieser Maschine. Zusammen mit dem Neuzugang ging es über die Seen des Salzkammergutes bis nach St. Gilgen, wo noch einmal eine Stärkung eingenommen wurde und sich der Gast leider wieder verabschiedete.

Ab der Mautstation am Fuße der Postalmstraße, ließen wir den Indians wieder freien Lauf. Einige machten den vorrausfahrenden, modernen Maschinen eine Kriegserklärung und jagten diese den Berg hinauf. Oben angekommen gab es eine kleine Rast und die dort grasenden Pferde waren von der Power Plus mehr als angetan. Eines begann deren Sattelbezug aufzufressen, was vom Pferdeflüsterer Olivier in letzter Sekunde verhindert werden konnte.

Der letzte Abschnitt ging wieder durch das sagenumwobene Salzachtal nach Bischofshofen, wo alle nach dem Tanken im offenen Feld in die Unterkunft fahren konnten und dementsprechend vehement am Gasgriff drehten. Der Abend klang wieder mit gutem Essen und netten Gesprächen aus. Zwei Teilnehmer mussten noch einen Treibstofftank abdichten, damit der nächste Tag in Angiff genommen werden konnte.

Am dritten Tag stand die Königsetappe an. Mit über 300 Kilometern die längste Strecke der Tour. Alle waren aufgeregt, es ging ja schließlich auf den Großglockner. Eine der schönsten Straßen Österreichs.
Bis zur Edelweißhütte durften die Indianer wieder mal den Leuten zeigen, was sie konnten. Freie Fahrt! Oben angelangt staunten einige nicht schlecht. Die herrliche Bergkulisse gepaart mit einer weiten Fernsicht, ließ so manchen Teilnehmer  träumen.

Leider musste der Konvoi wieder weiter. Für die Scout, die auch schon am ersten Tag Probleme mit den Kolben gehabt hatte, war unter dieser extremen Beanspruchung nun endgültig Schuß und sie konnte die Reise nur mehr hoch oben am Hänger fortsetzen.

Nachdem wir die Großglockner Hochalpnestraße hinter uns gelassen hatten, rissen die schönen Eindrücke noch lange nicht ab. Durch lange Täler und vorbei an schönen Feldern, gab es immer was zu Sehen. Durch die schöne aber leichte Strecke, konnten alle wieder Kraft schöpfen, obwohl das Tempo stieg. Kurz streiften wir den Millstätter See  und steuerten dann die Gurktaler Alpen an. Auf anspruchsvollen Nebenstraßen konnten sich alle an der traumhaften Hügellandschaft erfreuen. In St. Lambrecht bezogen wir im örtlichen Hotel unsere Unterkünfte und bei einem regional typischen Abendessen im Wirtshaus des Ortes wurde noch lange über diesen herrlichen Tag geredet. Alle waren begeistert von den Erlebnissen und zu Recht stolz den höchsten, befahrbaren Punkt der österreichischen Alpen erreicht zu haben. Wie jeden Abend, wurde auch heute wieder an den Indians geschraubt.

Der letzte Tag der Ausfahrt brach an: Pünktlich um 8 Uhr waren alle am Sammelplatz. Diesmal ging es am Fuß jenes Berges wieder retour, den wir am späten Nachmittag des Vortags bezwungen hatten. Nun stand ein besonderes Schmankerl an: Die Nockalmstraße, mit einer der schönsten Straßenführungen die wir je gesehen haben. Durch einen Wald kämpfen sich alle bis ins hochalpine Gelände hinauf, vorbei an Almen auf denen Kühe grasten. Oben angelangt, bestaunten wir alle die herrliche Aussicht von den Nockbergen. Leider war auch diese Bergprüfung für eine Scout zu viel und so wurde sie vom technischen Dienst auf dem Abschleppwagen verstaut. Die Mittagsrast verbrachten wir auf der Dr. Josef Mehrl-Hütte, wo sich schon vor 10 Jahren die Indianer zur Einkehr eingefunden hatten.

Danach ging wieder weiter, über verträumte Almen und die kleinsten Straßen. Bald hatten sie es geschafft, die alten Indianer. Noch schnell über die Tauern und auf Nebenstraßen nach Bischofshofen. Ab da durften die Indianer noch mal auf die Jagd gehen und den Berg hinauf, so schnell reiten, wie sie wollten. Oben am Birgkarhaus wurde alles verstaut, was wir zwei Tage zuvor zurückgelassen hatten und der Konvoi brach zu den letzten Kilometern auf. Wie eine schwarze Schlange schlängelte sich der Konvoi der alten Maschinen und Begleitfahrzeuge nach Lofer. Am Marktplatz des Ortes wurden die Indianer schon freudig erwartet. Die Freude stand auch allen Fahrern in Gesicht geschrieben. Alle hatten die Tour ohne Unfälle und Probleme hinter sich gebracht.

Die Maschinen wurden noch schnell für das letzte, große Gruppenfoto aufgestellt und selbst die Presse war da. Als die alten Indianer alle in der Garage verstaut und die Fahrer wieder sauber waren, ging es zum Abendessen. Dieser Abend war nochmals ein ganz Besonderer, da es doch Einiges zu ehren gab. Einige Fahrer waren zum sechsten Mal auf der Tour dabei, andere wurden für die dritte Teilnahme ausgezeichnet.

Das Schönste war noch eine Anerkennung an das Geleistete auf dieser Ausfahrt: Eine goldene Speiche mit Edelweiß und Widmung bekamen alle, die die 1024 Kilometer der Rundfahrt geschafft hatten. Man munkelte, daß einige die Speiche einspeichen werden.  


Danke Thomas Patt für das Foto

Es war eine wunderbare Tour und nach einer kurzen Eingewöhnungsphase am ersten Tag, war das Feld mit bis zu 22 Indians gut eingespielt. Beeindruckend war außerdem, wie gut vorbereitet die Motorräder im Großen und Ganzen angetreten waren, wodurch es nur zu einer überschaubaren Anzahl an Ausfällen kam.


Am Sonntag wurde auf dem Scheffsnother Bauernherbstfest nochmals zünftig gefeiert und die Indianer den Einheimischen und Urlaubern gezeigt. Da es der Wettergott fast zu gut mit uns meinte, kletterten die Temperaturen immer weiter und wir entschlossen uns, noch schnell ins kühle Nass zu springen. Am Nachmittag und Abend traten die Meisten dann die Heimreise an. Einige blieben noch bis zum nächsten Morgen oder verlängerten ihren Aufenthalt in Österreich um ein paar Tage. 

Wir freuen uns schon jetzt auf ein Wiedersehen, wenn es mit der 7.Austrian Indian Tour 2017 in die französischen Alpen geht.

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